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Es war nur dieser eine Satz, den Frontmann Matt von Funeral For A Friend im Luxor in Köln von sich gab. Ein Satz, wie man ihn wahrscheinlich recht häufig zu hören bekommt, wenn Bands vor dem letzten Song des Abends die Meute im Saal noch einmal zum Mitmachen animieren wollen. Und doch war dieser eine Satz anders – denn er war genau so gemeint.

Funeral For A Friend treten ab von der Bühne, welche über 15 Jahre ihr zweites Zuhause war. Mit einer kleinen, aber sehr feinen Abschiedstournee haben sich die fünf Jungs aus Wales von ihren treuen Fans verabschiedet. An jeweils zwei Abenden hintereinander spielten sie ihre Erfolgsalben „Hours“ und „Casually dressed and deep in conversation“, zu erleben war dieses Spektakel für in Deutschland in Hamburg, Berlin, München, Wiesbaden und schließlich Köln. Zehn Abende, die den Angereisten lange im Gedächtnis bleiben werden.

 

Hamburg – Knust

Zehn Abende also, um einer meiner absoluten Lieblingsbands Lebewohl zu sagen. Recht schnell stand für mich fest, bei welchen Konzerten ich am Start sein MUSS. Los ging es in Hamburg im wundervollen Knust. Die Anspannung vor dem ersten Konzert war spürbar – bei mir und bei allen, die den Weg in die Hafenstadt gefunden hatten. Die Stimmung war prächtig, die Vorbands Zoax (aus London) und Shai Hulud (aus New Jersey) heizten richtig ein. Als Funeral dann mit ihrem Gig begannen, stand der kleine Laden Kopf. Es wurde gesungen und getanzt und ausgiebig gefeiert. Als der Abend sich dem Ende entgegen neigte, mischte sich ein wenig Melancholie unter die Leute. Vor und auf der Bühne. Aber es gab ja noch Abend zwei. Gleicher Beginn der Vorbands, dann rissen Funeral die Location quasi ab. „Hamburg, this is your last chance to dance“ – und wie getanzt wurde.

Wiesbaden – Schlachthof

In Wiesbaden konnte ich leider „nur“ am zweiten Abend am Start sein. Spaß gemacht hat es aber trotzdem. Wieder waren es die Jungs von Zoax, die den Anfang machten – und die ich immer mehr ins Herz geschlossen hatte. Ebenso wie die wunderbaren Shai Hulud, mit denen ich mich von Abend zu Abend besser verstand. Aber eigentlich sollte sich ja alles um Funeral For A Friend drehen – tat es dann auch, als die fünf die Bühne betraten und die Leitung übernahmen. Mit jedem einzelnen Song wurde es lauter im schönen Kesselhaus. Selten habe ich so textsichere Fans erlebt, wie auf dieser kleinen Abschiedstournee. Jedes Wort, jeder Satz, jede Zeile passte wie Arsch auf Eimer, wie man so schön sagt. Mit „Roses for the dead“ erlebte das Publikum dann einen würdigen Abschluss. „It’s not your fault, you feel ok…“

Köln –
Luxor

Deutschland-Finale in Köln. Ich mag das Luxor nicht besonders, wer die Location kennt, der weiß wahrscheinlich auch warum. Ein langer Schlauch, vollgepackt mit Leuten – für Menschen meiner Größe bei Konzerten nicht gerade ideal. Die Kamera hatte ich zuhause gelassen, ich wollte die Stimmung einfangen, mich der Musik hingeben. Eine gute Entscheidung. Hatte ich am ersten Abend noch am Rand gestanden (ich war einfach viel zu spät dran für die erste Reihe), war ich am letzten Abend dann aber doch ganz vorne mit dabei. Die Entscheidung war richtig – goldrichtig sogar. Denn auch wenn ich es liebe, Fotos zu machen, so hätte ich es mir niemals verziehen, an diesem besonderen Abend mal so richtig abzugehen. Singen, lachen, tanzen, schreien, schwitzen – und am Ende völlig platt aus dem Raum zu wackeln. So muss Musik sein. Funeral haben dieses allerletzte Deutschland-Konzert zu einem echten Erlebnis gemacht.

13 Jahre lang hat mich die Musik der Waliser begleitet. Das erste Mal live gesehen – und überhaupt von ihnen gehört – hatte ich 2003, als sie als Vorband von (festhalten!) Iron Maiden in Frankfurt auftraten. Während alle Eddie-Fans in der Halle die fünf am liebsten von der Bühne gekickt hätten, hat mich die Musik doch direkt angesprochen – und auch nicht wieder losgelassen. Höhepunkt meiner „Funeral-Liebe“ war mit Sicherheit die Tour durch England 2014, bei der ich zum Teil dabei war und mir Gigs in London, Bristol und Cardiff angeschaut und diese fotografiert habe. Dabei entstand auch ein Foto, welches letztlich die Rückseite des Covers der Live-Platte zierte.

Zu wissen, dass ich die Jungs nicht mehr live erleben werde, schmerzt tatsächlich. Während ich diese Zeilen hier schreibe, läuft natürlich noch einmal das „Casually dressed…“-Album. Und die Erinnerungen an die vergangenen fünf Konzerte werden wieder wach. Schön war’s, ehrlich. Danke, Funeral For A Friend. Macht es gut, passt auf euch auf!

Cheers,
Norman

Fotos der Konzerte in Hamburg und Wiesbaden

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